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Erfahrungsbericht: ADAC Fahrsicherheitstraining

5. Mai 2008

Der Tag, an dem wir uns auf den Weg zum Fahrsicherheitstraining nach Koblenz machten, sollte unter keinem guten Stern stehen: bereits auf der Hinfahrt platzte bei meinem Opel Astra bei 100kmh der rechte Hinterreifen. Meine Laune war im Keller. Mein Auto, die schlechteste Investition des vergangenen Jahres, hat mich schon viele Nerven gekostet. Und dann das.
Also wechselte ich auf mein Reserverad und entschied mich weiterzufahren - mit drei Winter- und einem Sommerreifen. Schließlich wollte ich meine 30€ nicht umsonst bezahlt haben, auch wenn dies ein sehr günstiger Preis war.

Als ich in Koblenz angekommen war, begann auch schon der Theorieteil des Fahrsicherheitstrainings. Nach der obligatorischen Vorstellungsrunde inklusive Smalltalk kamen wir auf das Thema "Richtig Bremsen" zu sprechen.
Dabei erzählte uns der Übungsleiter von seinen Erfahrungen: "Die meisten Fahrer haben zwar eine schnelle Reaktion, gehen aber nicht an den ABS-Bereich heran, nutzen also nicht 100% der verfügbaren Bremskraft. Dort gehen in einer Gefahrensituation wertvolle Meter verloren. Hinzu kommt, dass Unerfahrene den Fuß kurz vor dem Zusammenprall vom Bremspedal nehmen. Das ist gerade dann, wenn am meisten Geschwindigkeit abgebaut wird."

Nach der bündigen Einführung ging es auch gleich auf das Übungsgelände. Zum Aufwärmen sollten wir einen Slalom fahren. Klar, dass ich sofort an das Limit gehen musste und mir vom Instruktor ein "Brauchst doch nicht so anzugeben" einhandelte.
Danach stand der wichtigste Teil des Trainings auf dem Programm: das Bremsen auf allen möglichen Fahrbahnbelägen.
Es stellte sich heraus, dass es doch nicht so einfach war die Theorie in die Praxis umzusetzen. Zu Beginn schafften es nur wenige den "ABS-Bereich" zu ertasten und die beste Verzögerung zu erreichen; doch man durfte die Übungen so oft wiederholen wie man wollte und so schafften es letztendlich doch alle.

Dann gab es Mittagessen: Falls Ihr auf die Idee kommen solltet ein Fahrsicherheitstraining in Koblenz zu machen, dann bestellt auf keinen Fall was bei "Pizza Speedy", sondern geht zur Currywurstbude.

Am Nachmittag ging es dann mit fahrdynamischen Übungen richtig zur Sache. Auf einem sehr rutschigen Untergrund sollten wir plötzlich auftretenden Wasserfontänen ausweichen, wobei wir die Autos stets an die Grenzen brachten.
Dann kam das, worauf alle schon den ganzen Tag gewartet hatten: die Schleuderplatte. Ich war der erste. Es ging so schnell. Ich fahre über die Platte und das Auto wird mit einer enormen Kraft nach links versetzt. Es war als ob eine Abrissbirne gegen das Heck donnern würde. Und ehe ich mich versah, hatte ich mich gedreht. Ein unangenehmes Gefühl, aber bei weitem nicht so schlimm, wie der Morgen als ich mich nach einem Dreher auf der Fahrt zur Schule in einem Graben wiederfand.
Es war auch interessant den Unterschied zwischen den einzelnen Fahrzeugen zu sehen. So machte die Schleuderplatte dem 5er Golf nicht zu schaffen, da dessen ESP die Räder gezielt abbremste; und das obwohl die Fahrerin kaum gegenlenkte, um den übersteuernden Wagen einzufangen. Ich hingegen hatte mit meinem älteren Astra mehr zu kämpfen.
Am Ende des Tages gab es die Urkunden und eine Abschlussbesprechung. Somit wurde mein Tag doch noch gerettet, wenn man davon absieht, dass ich für die Heimfahrt wegen leicht blockierender Bremsen doppelt so lange gebraucht habe, weil ich an jeder Raststätte die heißen Bremsscheiben abkühlen lassen musste.

Fazit: ein Fahrsicherheitstraining ist generell zu empfehlen - für junge und auch ältere Fahrer.
Es ist spannend und wertvoll zugleich sich an den Grenzbereich anzunähern und damit wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Man muss aber auch deutlich sagen, dass es sich nicht um einen Sportfahrerlehrgang handelt, sondern man vielmehr zum sicheren Fahrer ausgebildet wird.
Letztendlich lohnt sich die Investition (für Fahrer zwischen 18 und 25 Jahren gerade mal 30€), zumal einige Versicherungen Vergünstigungen gewähren, wenn man ein Sicherheitstraining absolviert hat.


von Christian Beissel